60 Stories auf 60 Musiken – Brief an Christiane

Liebe Christiane,

sitze im Flughafen von London … und da du so insistiert hast, schreibe ich dir also ausführlicher: DANCE FIGHT LOVE DIE war/ist für mich die „Geburt eines Films aus dem Geiste der Musik“, und herausgekommen ist eine in gewisser Weise neue „Filmform“ – wie sie so noch nicht existierte, jedenfalls kenne ich keinen vergleichbaren Film.

Am Anfang war die Musik – das habe ich dramaturgisch als auch filmästhetisch konsequent umgesetzt – die Musik gibt alles vor und vereint alles. Auf der Grundlage des Soundtracks entsteht ein „Film-Fluss“, der sich von Musikstück zu Musikstück entwickelt und so auf der Basis von 60 vollkommen unterschiedlichen Musiken 60 Stories erzählt. Filmisch gesehen, folge ich einer „domestizierten automatischen Schreibweise“, wobei ich Ästhetiken und Konzepte sehr bewusst mische: hinsichtlich Kamera, Schnitt und Regie. Das ganze bleibt auf diese Art und Weise völlig „unberechenbar“.

Natürlich gibt es – auf mehreren Ebenen – eine klare Struktur, die dem Ganzen unterliegt, um das widersprüchliche und desparate Material nicht ausufern zu lassen, und auch, um die „große Geschichte“ des Films erzählen zu können, die Geschichte eines unikalen Musikers, Komponisten und Menschen, der für mich ein paradigmatischer Künstler ist, so dass unser Film auch die Frage beantwortet: WAS IST KUNST?

Genauso „anarchistisch“ wie Mikis Theodorakis ist, genauso „anarchistisch“ und „ungebändigt“ kommt dieser Film rüber. Er ist in der Form sehr modern, teilweise experimentell, aber durch seinen Inhalt und durch die Musik wird er spannend, emotional, und es passiert dauernd „Erstaunliches“ und Unerwartetes. Bis zum Schluss weiß man nicht, was als nächstes kommt, und das ist ein Kompositionsprinzip des Films.

Ein heiß-kalter Film voller Dramatik, Melancholie und Humor, der mit vielen Gefühlslagen spielt, wobei der Ernst immer in Spaß kippt oder andersherum. Schließlich ist DANCE FIGHT LOVE DIE für mich zugleich eine Hymne auf die MUSIK, eine Hymne auf die künstlerische Freiheit und auf das Leben.

Herzliche Grüße, Asteris

Gesendet: Montag, 23. Dezember 2019, 17:53

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