Ein Leben im Transit (Film-Kritik)

//Eine Film-Kritik von Susanne Kim für „indiekino.de“//

Asteris Kutulas widmet seinem guten Freund, dem griechischen Komponisten, Schriftsteller, Rebellen und Politiker Mikis Theodorakis eine überschwengliche, assoziativ montierte Hommage.

Sich dem Werk und Leben des großen Mikis Theodorakis in einem Film zu widmen, muss jeden Regisseur vor eine fast unlösbare Aufgabe stellen, die der Filmemacher Asteris Kutulas mit viel Chuzpe löst. Denn die vielschichtigen Wege des griechischen Komponisten, Schriftstellers, Rebellen und Politikers nachzuverfolgen könnte Tage füllen. Kutulas begleitete Theodorakis von 1987 bis 2017 immer wieder auf seinen Konzertreisen – bei denen im Laufe der Jahre auch zwei kürzere Fernsehformate entstanden – und sammelte rund um die Erde hunderte Stunden Filmmaterial. Viel wichtiger jedoch: er wurde, da selbst Künstler und Kind griechischer Bürgerkriegsflüchtlinge, zur verwandten Seele, der sein Gegenüber erfühlen und in seinem Wesen begreifen lernte.

Eine klassische Dokumentation mit gesetzten Interviews, Gesprächen mit Wegbegleitern und Konzertausschnitten, wird Theodorakis, der sich selbst augenzwinkernd als „Luftmenschen“ beschreibt – das Wasser sei zu „glitschig“ und die Würmer in der Erde sagen ihm auch nicht zu -, nicht gerecht. Nichts Geringeres als das Universum ist es, das den Freigeist schon als kleinen Jungen „rief“. Ohne diese innere Stimme hätte Theodorakis wohl kaum diesen immensen Widerstandsgeist entwickelt, der ihn für die Griechen zum Volkshelden werden ließ. Deshalb ist Kutulas‘ Film als eine Hommage zu lesen, die sich nicht intellektuell erfassen lässt, sondern am Betrachter vorbeiwirbelt und in ihren Facetten einfach aufgesogen werden will. Nur in Schlaglichtern tauchen die Epochen auf, die die Lebenslinien von Theodorakis abzirkeln. Das Geburtshaus der Mutter in Cesme, die albanische Front im zweiten Weltkrieg, der Bürgerkrieg in Griechenland, die Junta, sind nur einige der äußeren Rahmenbedingungen, die Kutulas intuitiv in einen poetischen Mix aus beobachtenden Alltagsszenen, Archivmaterial, Musikclips und Inszenierungen verwebt. Formal nimmt er sich dabei alle Freiheiten, Zeit und Raum stellen keine Ordnung her. Er spiegelt damit auch das rastlose Musikerleben, welches sich zwischen Proben, Warten, Auftritt, Applaus und Hotel bewegt. Ein Leben im Transit, gespickt mit immer wieder neuen Begegnungen. Kutulas lässt uns teilhaben an dieser turbulenten Reise und der immensen Fülle, die Theodorakis ausmacht, als großartigen Musiker und humorvollen Menschen mit einem offenen Herzen.

Susanne Kim

Quelle: https://www.indiekino.de/film/de/dance_fight_love_die-with_mikis_theodorakis_on_the_road

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Photo © Asteris Kutulas

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